In der Bibel ist Benjamin der jüngste Sohn des Erzvaters Jakob. Sein Name und das Stammesgebiet seiner Nachkommen haben eine besondere Bedeutung.
Der Beitrag Benjamin – ein Lieblingssohn G´ttes erschien zuerst auf Israelnetz.
Der hebräische Bibeltext spricht von Jadid Adonai, zu biblischen Zeiten bedeutete der Ausdruck „Liebling“. Die Hebräische Bibel nennt Benjamin demzufolge den „Liebling G´ttes“.
In 1. Mose 49,27 beschreibt Jakob seinen jüngsten Sohn Benjamin als reißenden Wolf: „Benjamin ist ein Wolf, der zerreißt; am Morgen verzehrt er Raub, und am Abend verteilt er Beute.“ (Elberfelder Bibel)
Der Wolf symbolisiert seine Tapferkeit sowie den Kampfgeist des Stammes Benjamin. „Morgen“ und „Abend“ im Segensspruch stehen symbolisch für die unermüdliche Tatkraft und den Erfolg des numerisch kleinen Stammes in kriegerischen Auseinandersetzungen.
Besondere Zuneigung
Als jüngster Sohn seiner Lieblingsfrau Rahel genoss Benjamin eine besondere Zuneigung des Patriarchen, umso mehr, als Rahel bei Benjamins Geburt starb. Jakob sah in dem Jungen ein letztes Andenken an sie. Das Rahelgrab, hebräisch: Kever Rachel, befindet sich in der Nähe von Bethlehem, direkt am nördlichen Stadteingang an der Jerusalem-Hebron-Straße. Es wird von Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen verehrt.
Die gebärende und mit dem Tod ringende Rahel nannte ihren jüngsten Spross zunächst Ben-Oni, was sinngemäß „Sohn meines Kummers“ bedeutet (1. Mose 16–20):
Und sie brachen von Bethel auf. Und es war noch eine Strecke Landes, um nach Efrata zu kommen, da gebar Rahel; und sie hatte es schwer mit ihrem Gebären. Und es geschah, als sie es schwer hatte mit ihrem Gebären, da sagte die Hebamme zu ihr: Fürchte dich nicht, denn auch der wird dir ein Sohn! Und es geschah, als ihre Seele ausging – denn sie musste sterben –, da gab sie ihm den Namen Ben-Oni; sein Vater aber nannte ihn Ben-Jamin. Und Rahel starb und wurde begraben am Weg nach Efrata, das ist Bethlehem. Und Jakob richtete über ihrem Grab einen Gedenkstein auf, das ist das Grabmal Rahels bis auf diesen Tag.
Jakob nennt seinen jüngsten Sohn um – in Benjamin, was in diesem Kontext als Ehrenname „Sohn der rechten Seite“ und somit als „geliebter Sohn“ zu verstehen ist. Es hebt die besondere Vater-Sohn-Beziehung hervor. Die „rechte Hand“ steht in der biblischen Tradition für Stärke, Schutz und die bevorzugte Position. Im Stammesnamen verweist jamin auf die Himmelsrichtung Süden oder auf die rechte, ehrenvolle Seite des Namensgebers.
„Sohn des Südens“
Dass jamin auch für„Süden“ steht, erklärt sichdurch die biblische Orientierung. Denn der Osten, die Richtung des Tempels und der aufgehenden Sonne, war heilig. Beter und Beterinnen schauten nach Osten, wodurch der Süden zur rechten Seite lag, woraus „die rechte Seite“ oft als Synonym für den Süden resultiert.
Benjamin ist zunächst eine Fremdbezeichnung, wörtlich „Sohn des Südens“, „der zum Süden Gehörige“, „der an der rechten Seite Befindliche“, „der besonders Geehrte“. Übersetzungen mit „Sohn des Glücks“oder „Glückskind“ sind nicht angemessen.
Ursprünglich stand wohl eine pluralische Form, hebräisch bnei jamin, deutsch „die Südleute“. Benjamin ist der einzige der zwölf Söhne Jakobs, der im Gebiet des späteren Israel geboren wurde.
Bevorzugung der rechten Seite im Talmud
Das Konzept, dass die rechte Seite im Alltag und in rituellen Handlungen zu bevorzugen ist, findet sich bereits Im Talmud. Es etwa im Zusammenhang mit dem Tempeldienst und der Reinigung von Aussätzigen vor (Traktat Sewachim 24a und Jewamot 104a).
Im Traktat Sotah 15b lesen wir folgendes:
Der Priester betrat das Heiligtum und wandte sich nach rechts. Dort befand sich an einer Stelle auf dem Boden des Heiligtums eine Fläche von einer Elle mal einer Elle; dort lag eine Marmorplatte, an der ein Ring befestigt war, der dem Priester beim Anheben der Platte diente. Der Priester nahm dann etwas losen Staub darunter hervor und gab ihn in das Gefäß mit dem Wasser, sodass der Staub auf dem Wasser sichtbar war, wie es heißt: „Und der Priester soll heiliges Wasser in ein irdenes Gefäß nehmen; und von dem Staub, der auf dem Boden der Stiftshütte liegt, soll der Priester etwas nehmen und es in das Wasser geben“ (4. Mose 5,17).
In der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, wurde dieses Prinzip in der Folge auf vielfältige Bereiche übertragen: So muss der Lulav – der Feststrauß beim Laubhüttenfest – oder ein Kos schel Bracha, der Weinbecher, den man für bestimmte Segenssprüche in die Hand nimmt, stets mit rechts gehalten werden. Dies erklärt auch, weshalb die Körperreinigung auf der Toilette mit der Linken durchgeführt werden soll (Berachot 62a).
In der poetischen Sprache des Tanachs (der Hebräischen Bibel) finden wir die rechte Hand mit Stärke und Macht verbunden. So heißt es: „Die Rechte des Ewigen ist erhaben, die Rechte des Ewigen schafft Macht“ (Psalm 118, 16–17).
Die rechte Hand steht für eine unmittelbarere Wirkmacht und Präsenz G‘ttes. Dies erklärt, warum die Kabbala, die jüdische Mystik, der rechten Seite die „höheren“ Aspekte des göttlichen Wesens – wie etwa Güte und Erbarmen – zuschreibt, während die linke Seite für die – mitunter strafende – Gerechtigkeit des Ewigen stand. G´tt könne an sich keine Körperlichkeit zugeschrieben werden, daher ist der Gebrauch von Bezeichnungen wie „rechte Hand“ eher metaphorisch zu verstehen und nicht wörtlich. Mit „rechter Hand“ ist nicht zwingend die anatomische rechte Hand gemeint, sondern schlichtweg die stärkere, was im Umkehrschluss auch die linke Hand sein kann, wie etwa bei Linkshändern.
Flexibilität im Buch Richter
Eine gewisse Flexibilität bezüglich der Zuordnung von „rechts“ und „links“ deutet sich im biblischen Buch der Richter an: Wir erfahren, dass Ehud ben Gera ein Benjaminiter war, dessen rechte Hand schwach war (Richter 3,15). Folglich war Ehud, der „Sohn der Rechten“, im realen Leben Linkshänder, eine körperliche Eigenschaft, die ihm zum Sieg über den moabitischen König Eglon verhalf.
Und nun wird es noch verwirrender, denn am Ende desselben Buches erfahren wir, dass die 700 Elitekämpfer des Stammes Benjamin, also die „Söhne des Rechtshändigen“, allesamt Linkshänder waren. Daraus lässt sich schließen, dass trotz der traditionellen Bevorzugung der rechten Hand, beide zuweilen auch ebenbürtig nebeneinander wirken.
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Der Traktat Chagiga, deutsch „Festopfer“, gehört zur Ordnung Moed, den Festzeiten, in der Mischna und im Talmud. Er behandelt die biblischen Gebote der dreimaligen Wallfahrt nach Jerusalem (Pessach, Schawuot, Sukkot), die entsprechenden Festopfer sowie die Reinheitsgesetze, die für Tempelbesucher galten.
Chagiga 12a schildert eine Meinungsverschiedenheit zwischen den Schulen von Hillel und Schamai in der Frage, ob zuerst der Himmel oder die Erde geschaffen wurde. Der Talmud findet schließlich einen Kompromiss: Beide wurden gemeinsam geschaffen, wie es heißt: Meine (linke) Hand war es, die die Erde gründete, und Meine Rechte spannte die Himmel aus (Jesaja 48,13).
Zentrale Rolle bei Wiedervereinigung mit Josef
Benjamin spielt eine zentrale Rolle bei der dramatischen Wiedervereinigung mit seinem verloren geglaubten Bruder Josef in Ägypten und der Versöhnung mit seiner Familie, und dies, obwohl er an keiner Stelle als Sprecher auftritt. Zunächst darf er auf Anweisung seines Vaters seine Brüder nicht nach Ägypten begleiten, um dort Getreide zu kaufen. Josef tut so, als verdächtige er seine Brüder der Spionage und verlangt von ihnen, Benjamin, seinen einzigen Vollbruder, nachzuholen. Erst als Juda sich für Benjamin verbürgt, erlaubt Jakob ihm die Reise nach Ägypten.
Nach ihrer Ankunft wird Benjamin von Josef gegenüber seinen Brüdern bevorzugt. Die biblische Erzählung erreicht ihren dramatischen Höhepunkt, als bei Benjamin ein scheinbar gestohlener, in Wahrheit aber im Auftrage Josefs dort versteckter Silberbecher gefunden wird (siehe 1. Mose 44,1–12). Seine Brüder distanzieren sich nicht von ihm wie zuvor von Josef, sondern treten für ihn ein, woraufhin sich Josef ihnen zu erkennen gibt, und sich die beiden Söhne Rahels und Vollbrüder weinend in die Arme fallen. Josef verzeiht allen und holt den Vater und den Rest der Familie nach Ägypten.
In Jakobs Segensspruch über Benjamin wird betont, dass G´tt zwischen seinen Schultern wohnt. Eine Interpretation lautet, dass sich dies auf die Hügelkuppen seines Stammesgebietes bezieht, denn die Heilige Stadt Jerusalem, G´ttes Wohnsitz im Tempel auf dem Berg Moria, liegt auf den Hügeln von Benjamins Stammesgebiet an der Nordgrenze des Stammes Judah Die Hebräische Bibel spricht davon, dass G´tt den Stamm Benjamin schirmt, chotef alav: G´tt „breitet seine Flügel über Benjamin aus“ und beschirmt ihn, trotz der „Schandtat von Gibea“, begangen von Benjaminitern; dafür wurde der Stamm Benjamin von G´tt beinah ausgerottet. Die Begebenheit schildert das biblische Buch Richter im 20. Kapitel.
Unter G’ttes Schirm
Die innige Verbundenheit zwischen Vater und Sohn lässt G´tt entscheiden, bei Jakobs Lieblingssohn, in Benjamins Mitte zu wohnen. Solange die Bundeslade in der Stiftshütte zu Schilo stand, dem ersten zentralen Heiligtum der Israeliten im Gelobten Land, wohnte G´tt dort. Als die Philister die Bundeslade entführten, zog G´tt auf die „Schultern“ seines Lieblings Benjamin um. Dass dies geschehen wird, hatte Mose bei seinem Abschied von den Bnei Israel, den Kindern Israels, vorausgesehen. Im 5. Buch Mose wird der Stamm Benjamin in Kapitel 33, Vers 12 im Rahmen des großen Segens, den Mose kurz vor seinem Tod über die zwölf Stämme Israels spricht, wie folgt erwähnt:
Für Benjamin sprach er: Der Liebling des HERRN! In Sicherheit wohnt er bei ihm. Er beschirmt ihn den ganzen Tag[, und zwischen seinen Berghängen wohnt er.
Bei der Einheitsübersetzung 2016 lautet diese Passage: Für Benjamin sagte er: Der Liebling des HERRN, / er wohnt in Sicherheit bei ihm. / Er beschirmt ihn allezeit / und zwischen seinen Schultern wohnt er.
Jerusalem im Grenzgebiet
Die Stadt Jerusalem, die später das religiöse und politische Zentrum sein sollte, lag genau im Grenzgebiet der Stämme Benjamin und Juda. Der Segen deutet darauf hin, dass Benjamin unter dem besonderen Schutz der Gegenwart G‘ttes, der Wohnung G´ttes im Tempel, stehen sollte. Der Tempelberg liegt auf dem Gebiet Benjamins.
Die Schultern sind die Hügel, auf denen der Tempel von Jerusalem ruht. Das hohe Tor, „das am Haus des Herrn lag“, wurde das Benjamin-Tor genannt, Jeremia 20,2: da schlug Paschhur den Propheten Jeremia und legte ihn in den Block im oberen Tor Benjamin, das am Haus des HERRN ist.
Paulus aus Stamm Benjamin
Aus dem Stamm Benjamin stammte Saul, der erste König Israels, ebenso wie der spätere christliche Apostel Paulus. In der Bibel betont Paulus seine Herkunft im Philipperbrief (Philipper 3,5) mit den Worten: „Beschnitten am achten Tag, aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer.“
Im Apostolischen Glaubensbekenntnis, auch Apostolikum, findet sich dieser Gedanke in der bekannten Formulierung: „…. aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten ….“
Dass Jesus zur Rechten G´ttes sitzt, bedeutet, dass er nach seiner Himmelfahrt die höchste göttliche Autorität, Macht und Herrlichkeit teilt. Historisch und sprachlich geht diese Symbolik unter anderem auf den biblischen Psalm 110, Vers 1 zurück:
Von David. Ein Psalm. Spruch des HERRN für meinen Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde gemacht habe zum Schemel deiner Füße!
Teilhabe an der Regierung
In der antiken Welt war der Platz an der rechten Seite des Herrschers der Ehrenplatz, der absolute Machtfülle und Teilhabe an der Regierung symbolisierte. In den biblischen Schriften wird diese Erhöhung unter anderem in der Apostelgeschichte 7,55–56 beschrieben, wo Stephanus, der erste christliche Märtyrer, eine entsprechende Vision hat:
Da er aber voll Heiligen Geistes war und fest zum Himmel schaute, sah er die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen; und er sprach: Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen!
Theologisch betrachtet drückt dieser Sitzplatz aus, dass Jesu Erlösungswerk vollbracht ist. Zudem gilt er als ewiger Fürsprecher, der beim Vater für die Menschen eintritt, wie im Brief des Paulus an die Römer (8,34) bezeugt wird. Er lautet in der Einheitsübersetzung: Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: Der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.“ Römer 8,34 ist ein zentraler Vers des Apostels Paulus, der die absolute Gewissheit der Erlösung betont.
Inspiration für Maler Chagall
Die Segenssprüche, die der Patriarch Jakob über seine zwölf Söhne sprach, und Moses Worte zu den zwölf Stämmen vor dem Einzug in das Gelobte Land inspirierten den jüdisch-russischstämmigen Künstler Marc Chagall (1887–1985) zu seinen zwölf Glasfenstern in der Abbell-Synagoge Hadassa-Krankenhaus im Jerusalemer Stadtteil Ein Kerem.
Im Glasfenster „Benjamin“ integrierte Chagall den Wolf, mit dem Jakob seinen „Sohn zur Rechten“ in seinem Segensspruch vergleicht; links über dem Wolf ist die Heilige Stadt Jerusalem in leuchtendem Gelb und im kubistischen Stil dargestellt. Marc Chagall hatte während seiner Jahre in Paris Bekanntschaft mit Juan Gris, Georges Braques und Pablo Picasso – den Pionieren des Kubismus – gemacht.
Der große Kreis in der Mitte symbolisiert die Einheit. Saul aus dem Stamm Benjamin, der erste König Israels, hatte die zwölf losen Stämme zu einem vereinten Königreich zusammengeführt. Er sicherte die Existenz Israels, indem er und seine Verbündeten im Osten die Ammoniter, die Amalekiter im Süden und die Philister in der westlichen Küstenebene zurückdrängte. In 1. Samuel 15 wird Saul als König verworfen, weil er nach einem Kriegszug gegen die Amalekiter den Bann nicht umfänglich vollzieht.
Die Redewendung „der Benjamin sein“ ist bis heute gängig; sie drückt umgangssprachlich aus, dass jemand das jüngste Kind einer Familie oder jüngstes Mitglied einer Gruppe ist. Wer an der rechten Seite seines Vaters war, der galt als besonders wichtig. So kann man den Namen Benjamin auch freier mit „der besonders Geehrte“ übersetzen. G´tt erwählt immer wieder die „Kleinen“ und „Geringen“, um an seinem Plan mitzuwirken.
Der Beitrag Benjamin – ein Lieblingssohn G´ttes erschien zuerst auf Israelnetz.