Aktuelles aus Israel

Sa’ar trifft albanischen Regierungschef Rama

​Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar hat am Montag in Tirana den albanischen Regierungschef Edi Rama getroffen. Sie sprachen über eine Ausweitung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Auch die Lage in Nahost und auf dem Westbalkan war ein Thema. Rama sei „eine klare und mutige Stimme auf der internationalen Bühne“, schrieb Sa’ar auf X. „Er
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Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar hat am Montag in Tirana den albanischen Regierungschef Edi Rama getroffen. Sie sprachen über eine Ausweitung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Auch die Lage in Nahost und auf dem Westbalkan war ein Thema. Rama sei „eine klare und mutige Stimme auf der internationalen Bühne“, schrieb Sa’ar auf X. „Er ist auch ein standhafter Freund Israels, der uns in herausfordernden Zeiten zur Seite stand.“ (eh)

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Zwischen Lobpreis, Leid und Identitätsfragen

​Israelis, Deutsche, Schweizer und Palästinenser. Sie alle waren Teil des sechsten Israelkongresses in Schwäbisch Gmünd. Mit dabei: viele berührende Geschichten, fachliche Expertise und auch die Frage danach, wem das Land Israel gehört.
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Israelische Rhythmen pulsieren durch die Lautsprecher, während die Sänger der JCSI‑Band „Sela“ nahtlos zwischen deutschen und hebräischen Lobpreisstrophen hin und her wechseln. Die meisten der mehr als 600 Teilnehmer haben bereits ihre Stühle verlassen und bewegen ihren Körper leicht zu der Musik. Manche der durchschnittlich etwa sechzig Jahre alten Besucher tanzen sogar ausgelassen. In der oberen Etage schwenkt eine Teilnehmerin eine große Israelflagge.

Zum sechsten Mal trafen sich Israelfreunde zum Israelkongress in der baden-württembergischen Kleinstadt Schwäbisch Gmünd. In dem christlichen Gästezentrum „Schönblick“ kamen dafür für dreieinhalb Tage Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Hintergründen zusammen, und feierten Israel und das Judentum. Darunter waren Israelis, Schweizer, Österreicher, Deutsche und Palästinenser. Das Motto „Israel geht uns alle an“ spiegelte sich in Vorträgen, Seminaren und persönlichen Gesprächen wider und weckte Emotionen.

„Wie dumm können Menschen sein?“

Unter anderem erzählten in den Vorträgen auch Betroffene des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 von ihren Erfahrungen. Unter anderem Sonja Bohl-Dencker. Sie ist die Mutter von Carolin Bohl – der einzigen deutschen Touristin, die durch das Massaker ermordet wurde.

In ihrer Rede schilderte sie ihren leidvollen Weg hin zu Israel. Zunächst hatte sie keinen Bezug zu dem Land. Als ihre Tochter dann bei dem Terrorangriff ums Leben kam, begann sie, sich nach und nach damit auseinanderzusetzen. Schritt für Schritt fühlte sie sich dem Land mehr verbunden. Heute könne sie es kaum aushalten, wie Medien ungefiltert Hamas-Propaganda verbreiten und meist nur einseitig gegen Israel berichten würden, kritisierte Bohl-Dencker von der Bühne.

Foto: Israelnetz/Christian Biefel
Bohl-Dencker erzählte, wie der Tod ihrer Tochter sie mit Israel verbindet

Außerdem äußerte sie sich zum wachsenden Antisemitismus in Deutschland deutlich: „Wie hasserfüllt, unreflektiert und dumm können Menschen sein?“ Für Bohl-Dencker seien die diesjährigen Demonstrationen zum Gedenktag des Hamas-Massakers erschütternd gewesen. Denn es gab auch Versammlungen, die sich mit der Hamas solidarisierten und dadurch das Leid der Israelis relativierten.

Die Mutter von Carolin Bohl unterstrich ihre Rede mit dem Satz: „Obwohl Hamas-Terroristen meine Tochter ermordet haben, bin ich nicht so voller Hass, wie die Menschen, die zurzeit gegen Israel demonstrieren.“ Dass manche Menschen aggressiv würden, nur weil sie eine israelische Flagge sähen, sei krank.

Völkerechtliche Existenzgrundlage für Israel

Neben Betroffenen kamen zudem Fachexperten wie die Völkerrechtlerin, Autorin und ehemalige UN-Diplomatin Cynthia Day Wallace zu Wort. „Halleluja, Halleluja, Halleluja“, ruft Wallace in den Saal und blickt erwartungsvoll in das Publikum, in der Hoffnung, dass jemand den Jubelruf erwidern würde. Sie hofft nicht vergeblich. Zahlreiche der Teilnehmer erwidern den Jubelruf. Es war Wallace Einstieg in ihre Rede über das Existenzrecht Israels. Das Besondere: Die 84-jährige Juristin begründete in ihrem Vortrag das Existenzrecht sowohl religiös als auch rechtlich. So stützt sich die Souveränität Israels laut ihr auf drei völkerrechtliche Instrumente. Sie meint damit historische Dokumente, die nicht nur die Duldung, sondern die Souveränität Israels begründen.

Zum einen sei das der Vertrag des Völkerbundes aus dem Jahre 1919. Im Artikel 22 ist darin das Osmanische Reich, unter dessen Herrschaft heutige israelische Gebiete fielen, als A-Mandat eingestuft. Das bedeutete, dass diese Gebiete so weit entwickelt waren, dass sie als „provisorisch unabhängige Nationen“ agieren durften und einer entsprechenden Siegermacht nur observativ unterstellt waren. Die Juristin erläutert: Jüdische Gebiete seien damals Teil des britischen Mandatsgebietes Palästina gewesen, wobei es den Staat Israel als solchen noch nicht gegeben habe.

San Remo und die Balfour-Erklärung

Ein weiterer Schritt, den Wallace nennt, war die San-Remo-Resolution aus dem Jahr 1920. Darin sei als Ziel formuliert, eine „nationale Heimstätte für das jüdische Volk“ in dem britischen Mandatsgebiet Palästina zu schaffen. Die beteiligten Besatzer übernahmen damit die Gedanken der Balfour-Erklärung. Bereits 1917 hatte dort der britische Außenminister Arthur James Balfour die Gründung einer nationalen Heimstätte für Juden in dem gleichnamigen Positionspapier formuliert. In San Remo werteten die beteiligten Siegermächte das Zentrum der Erklärung schließlich zu gültigem Völkerrecht auf, erklärte Wallace.

Der finale Schritt, der die Entstehung des Staates Israel völkerrechtlich legitimiert, war allerdings laut der früheren Diplomatin das Mandat des Völkerbundes für Palästina aus dem Jahr 1922. Ein ausgearbeitetes völkerrechtsgültiges Dokument, das den kompletten Text der Balfour-Erklärung in die Präambel mit aufnahm und konkrete Maßnahmen zu deren Umsetzung festschrieb. Den ausgearbeiteten Gesetzestext befürworteten alle Länder der Staatengemeinschaft.

Wallace_Shooting_Israelkongress26 Foto: Israelnetz/Christian Biefel
Wallace setzt sich seit Jahren für die Existenz Israels ein

Die gläubige Christin ist am Ende ihrer Rede angekommen. Alles an ihr unterstreicht die Dringlichkeit ihres Anliegens. Ihr akkurat sitzendes Kostüm, ihr eleganter Gehstock mit Jaguargriff und nicht zuletzt ihr freundlicher, doch unbeirrt wirkender Blick.

Noch einmal blickt sie in die Menge. Entschlossen unterstreicht sie die juristischen Grundlagen mit ihrem christlichen Glauben: „Israel ist legitim. Die Feinde – damit meint sie alle, die das Existenzrecht Israels infrage stellen – wollen Israel von der Landkarte löschen, doch sie verstehen nicht, dass Israel für immer sein wird. Gott hat immer einen Plan gehabt. Maranatha!“

Israelkongress_Tanzende Menschen Foto: Israelnetz/Christian Biefel
Israelkongress-Teilnehmer beim Lobpreis auf Hebräisch

Auf der Bühne erklingen erneut die Rhythmen. Diesmal etwas leiser, da sich einige Teilnehmer im fortgeschrittenen Alter beschwert hatten, dass es zu laut sei. Doch die Stimmung ist davon nicht im Geringsten betroffen. Erneut weht die Israel-Fahne und erneut schwingen manche ihre Hüften. Dreieinhalb Tage Israelkonferenz.

Dreieinhalb Tage voller Vorträge, Diskussionen, Musik und Gespräche. Und eine Botschaft, die hängen bleibt: Von welchem Standpunkt aus auch immer: „Israel geht uns alle an“ – auch in Deutschland.

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Palästinenser festgenommen, der sich als Israeli ausgab

​Die israelische Polizei hat nach eigenen Angaben am Montag einen Palästinenser festgenommen, der sich als Israeli ausgab. Der 32-Jährige hatte in Bnei Brak bei Tel Aviv die Aharonovitsch-Haltestelle der Stadtbahn gefilmt. Den Beamten nannte er bei der Kontrolle zunächst eine israelische Ausweisnummer. Dann stellte sich heraus, dass er sich illegal in Israel aufhält. Ermittler hätten
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Die israelische Polizei hat nach eigenen Angaben am Montag einen Palästinenser festgenommen, der sich als Israeli ausgab. Der 32-Jährige hatte in Bnei Brak bei Tel Aviv die Aharonovitsch-Haltestelle der Stadtbahn gefilmt. Den Beamten nannte er bei der Kontrolle zunächst eine israelische Ausweisnummer. Dann stellte sich heraus, dass er sich illegal in Israel aufhält. Ermittler hätten zudem festgestellt, dass er offenbar bereits in Terroranschläge auf israelische Ziele im Westjordanland verwickelt war, teilte die Polizei mit. (eh)

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Kann die Linke regieren?

​Der Kampf gegen Antisemitismus: Stolperstein oder Grundstein einer künftigen Koalition? Eine kommentierende Analyse von Francis Moritz
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Der Sieg der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026 reicht weit über die Bedeutung einer gewöhnlichen Landtagswahl hinaus. In einer geschichtsträchtigen Hauptstadt setzt sich die von Elif Eralp angeführte Partei vor dem Hintergrund steigender Wohnkosten, sozialer Unsicherheit und einer Schwächung der traditionellen Parteien durch.

Doch ihr Erfolg wirft eine entscheidende Frage auf: Wie lässt sich ein Wahlsieg in eine regierungsfähige Mehrheit verwandeln, wenn unterschiedliche Positionen zu Israel und Antisemitismus den Zusammenhalt einer möglichen Koalition gefährden?

Berlin: Hauptstadt und Bundesland zugleich

Berlin nimmt im politischen Gefüge Deutschlands eine Sonderstellung ein. Die Bundeshauptstadt ist zugleich eines der sechzehn Bundesländer und gehört neben Hamburg und Bremen zu den drei Stadtstaaten.

Diese Besonderheit ist keineswegs nur verwaltungstechnischer Natur. Berlin verfügt über ein eigenes Parlament, das Abgeordnetenhaus, eine Landesregierung, den Senat, und einen Regierenden Bürgermeister. Über den Bundesrat wirkt das Land an der Bundesgesetzgebung mit. Anders als Washington, D.C., das als amerikanischer Bundesdistrikt keinen Bundesstaat bildet, besitzt Berlin sämtliche verfassungsrechtlichen Befugnisse eines deutschen Landes.

Der deutsche Föderalismus ist das Ergebnis einer langen Geschichte, in der sich die nationale Einheit aus Fürstentümern, Königreichen, Herzogtümern und freien Städten entwickelte. Die heutigen Landesgrenzen entsprechen diesen historischen Gebilden nicht vollständig, doch regionale Identitäten prägen die politische Kultur weiterhin.

Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zur französischen Tradition staatlicher Zentralisierung. Ein deutsches Bundesland ist keine bloße Verwaltungsregion, sondern verfügt über eigene Gesetzgebungs- und Regierungsbefugnisse. In Berlin verbindet sich diese institutionelle Besonderheit mit einer außergewöhnlichen historischen Bedeutung.

Von Bonn nach Berlin: eine Geschichte, die nicht verschwindet

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bonn 1949 zum vorläufigen Sitz der Institutionen der Bundesrepublik Deutschland. Berlin, die ehemalige Reichshauptstadt, war inzwischen eine geteilte Stadt. Die sowjetische Blockade West-Berlins von 1948 bis 1949 und die Luftbrücke der Westalliierten machten Berlin zu einem zentralen Symbol des Kalten Krieges.

Im August 1961 ließ die Führung der DDR mit Zustimmung Moskaus die Berliner Mauer errichten, um die Flucht ihrer Bürger in den Westen zu verhindern. West-Berlin wurde zu einer westlichen Enklave inmitten der DDR, von Ost-Berlin und dem umliegenden DDR-Gebiet durch ein befestigtes Grenzsystem getrennt. Am 26. Juni 1963 sprach US-Präsident John F. Kennedy seine berühmten Worte: „Ich bin ein Berliner!“

Der Fall der Mauer am 9. November 1989 und die deutsche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 eröffneten ein neues Kapitel. 1991 beschloss der Bundestag die Verlegung von Parlament und Bundesregierung nach Berlin, die 1999 weitgehend vollzogen wurde.

Diese Geschichte verleiht dem Wahlergebnis von 2026 eine besondere Dimension. Die Linke steht über die PDS in einer organisatorischen Traditionslinie zur SED, der ehemaligen Staatspartei der DDR. Es wäre jedoch historisch falsch, die heutige Partei auf diese Herkunft zu reduzieren. Ihre Zusammensetzung, ihre Wählerschaft und ihre politischen Positionen haben sich grundlegend verändert. Gerade darin liegt eine der Besonderheiten ihres Berliner Erfolgs.

Ein Wahlsieg verändert das politische Kräfteverhältnis

Nach dem vorläufigen Ergebnis vom 20. September erhielt Die Linke unter Elif Eralp 25,7 Prozent der Zweitstimmen. 2023 waren es lediglich 12,2 Prozent gewesen.

Die CDU erreichte 18,8 Prozent, die AfD 16,3 Prozent, die Grünen 14,3 Prozent und die SPD 12,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung stieg von 62,9 auf 74,2 Prozent.

Die Ergebnisse markieren eine deutliche Verschiebung des Berliner Parteiensystems. Die bisher gemeinsam regierenden CDU und SPD verloren erheblich an Zustimmung. Für die Sozialdemokraten bedeutet das Ergebnis eine besonders schwere Niederlage.

Auch der Stimmenzuwachs der AfD ist bemerkenswert. Im Mittelpunkt steht jedoch der Erfolg einer Partei links von SPD und Grünen, die ihre traditionellen Hochburgen im früheren Ost-Berlin deutlich hinter sich gelassen hat. Dieser Aufstieg lässt sich nicht allein ideologisch erklären. Er verweist auf soziale Erwartungen, denen die etablierten Regierungsparteien aus Sicht vieler Wähler nicht ausreichend gerecht geworden sind.

Die Wohnungsfrage als Schlüssel zum Erfolg

Berlin galt lange als vergleichsweise preiswerte europäische Hauptstadt. Inzwischen haben steigende Mieten, Wohnungsknappheit und wachsende Belastungen der Haushalte die Wohnungsfrage zu einem der wichtigsten politischen Themen gemacht.

Elif Eralp stellte dieses Problem in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfes. Die Linke will insbesondere die Konzentration großer Wohnungsbestände in den Händen privater Immobilienkonzerne zurückdrängen. Dafür gibt es einen politischen Bezugspunkt: Im September 2021 sprach sich bei einem Volksentscheid eine Mehrheit der Abstimmenden dafür aus, große Wohnungsbestände in Gemeineigentum zu überführen.

Artikel 15 des Grundgesetzes eröffnet grundsätzlich die Möglichkeit einer Vergesellschaftung bestimmter Güter gegen Entschädigung. Das Vorhaben besitzt somit eine verfassungsrechtliche Grundlage. Seine praktische Umsetzung wirft jedoch schwierige Fragen auf: Wie hoch wären die Entschädigungen? Wer finanziert sie? Wie würden die Wohnungen verwaltet und instand gehalten? Welche Auswirkungen hätte eine solche Politik auf private Investitionen?

Vor allem aber entstehen durch einen Eigentümerwechsel nicht automatisch zusätzliche Wohnungen. Die Linke muss daher beweisen, dass ihre Vorschläge die Lage der Mieter tatsächlich verbessern können, ohne die öffentlichen Finanzen des Stadtstaates zu überfordern. Ein Wahlsieg eröffnet politische Möglichkeiten. Er löst noch keine wirtschaftlichen Probleme.

Antisemitismus: Die entscheidende Hürde auf dem Weg zur Regierung

Nach der Wahl stand jedoch nicht allein die Wohnungsfrage im Mittelpunkt der Gespräche über eine neue Regierung. Die Haltung der Linken zu Israel und die Antisemitismusvorwürfe gegen Teile der Partei wurden rasch zu einem zentralen Konfliktpunkt.

Diese Auseinandersetzungen begannen nicht erst im September 2026. Seit den Massakern der Hamas vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Krieg in Gaza haben sich die Debatten über Israel, Zionismus, Solidarität mit den Palästinensern und die Grenzen legitimer Kritik in zahlreichen europäischen Linksparteien verschärft.

Auch Die Linke ist von diesen Spannungen betroffen. Einzelne Mitglieder wurden wegen Äußerungen kritisiert, die als antisemitisch bewertet wurden. Andere warnen davor, Kritik an der israelischen Regierung oder Opposition gegen den Krieg pauschal mit Judenfeindlichkeit gleichzusetzen.

Diese Unterscheidung ist unverzichtbar. Die Kritik an Entscheidungen einer israelischen Regierung gehört zur demokratischen Auseinandersetzung. Juden kollektiv für diese Entscheidungen verantwortlich zu machen, antisemitische Stereotype zu verbreiten oder Gewalt gegen Zivilisten zu rechtfertigen, ist hingegen keine gewöhnliche politische Kritik.

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Elif Eralp hat ihren Widerstand gegen Antisemitismus ausdrücklich bekräftigt. Doch öffentliche Erklärungen allein können Zweifel nicht ausräumen, solange innerhalb einer Partei grundlegende Meinungsverschiedenheiten bestehen.

In Deutschland besitzt diese Frage eine besondere historische Bedeutung. Der Schutz jüdischen Lebens und die aus der Schoa erwachsende Verantwortung gehören zu den grundlegenden Verpflichtungen der Bundesrepublik. Auch die Sicherheit und das Existenzrecht Israels nehmen in der deutschen politischen Kultur einen besonderen Platz ein. Das schließt Kritik an israelischen Regierungen keineswegs aus. Es verlangt jedoch besondere Sorgfalt im politischen Umgang mit Sprache, Symbolen und Verantwortung.

Die SPD: Wahlverliererin und dennoch Schlüssel zur Mehrheit

Die Linke hat die Wahl gewonnen, verfügt aber über keine absolute Mehrheit. Eine Koalition mit SPD und Grünen könnte eine parlamentarische Mehrheit bilden. Dafür bedarf es allerdings einer Verständigung sowohl über politische Inhalte als auch über grundlegende Prinzipien.

Die SPD machte trotz ihres schwachen Wahlergebnisses verbindliche Zusagen im Kampf gegen Antisemitismus zur Voraussetzung vertiefter Verhandlungen. Darin zeigt sich eine Eigenheit des deutschen Parlamentarismus: Eine Partei kann Wählerstimmen verlieren und dennoch entscheidenden Einfluss auf die Regierungsbildung behalten. Die Wahl verleiht den Parteien demokratische Legitimation. Sie entbindet sie aber nicht von der Notwendigkeit politischer Kompromisse.

Für Die Linke besteht die Herausforderung darin, ihre politische Identität zu bewahren und gleichzeitig die Pflichten einer Regierungspartei zu übernehmen. SPD und Grüne müssen ihrerseits bestimmen, welche Zugeständnisse mit ihren grundlegenden Verpflichtungen vereinbar sind.

Der 8. Oktober: Ein Kompromiss eröffnet neue Möglichkeiten

Am 8. Oktober verständigten sich Die Linke, SPD und Grüne nach schwierigen Gesprächen auf gemeinsame Voraussetzungen für die Aufnahme von Sondierungen. Die Einigung umfasst zwei unterschiedliche Themenbereiche.

Der erste betrifft Antisemitismus, den Schutz jüdischen Lebens, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Existenzrecht Israels. Der zweite betrifft die organisierte Kriminalität, ein weiteres sensibles Thema der Berliner Politik. Die Parteien vereinbarten gemeinsame Grundsätze und Verfahren zum Umgang mit möglichen Verstößen.

Die Erklärung bekräftigt insbesondere das Existenzrecht Israels und sieht Möglichkeiten vor, antisemitische Vorfälle und ihre politischen Konsequenzen zu prüfen. Damit geht es nicht mehr allein um Wahlprogramme. Verhandelt wird auch über die Verhaltensregeln und die gemeinsame Verantwortung möglicher Regierungspartner. Eine solche Verständigung ist allerdings noch kein Koalitionsvertrag.

Innerhalb der Linken wurden bereits kritische Stimmen laut, insbesondere zur Tragweite der Aussagen über Israel und zu ihrer praktischen Umsetzung. Die eigentliche Bewährungsprobe wird deshalb erst folgen, wenn aus den Sondierungen tatsächlich eine Regierung hervorgehen sollte.

Zwei Wahlerfolge, unterschiedliche politische Realitäten

Die Berliner Wahl verdeutlicht die zunehmende Zersplitterung des deutschen Parteiensystems. Sowohl Die Linke als auch die AfD konnten deutlich zulegen. CDU und SPD, jahrzehntelang die tragenden Kräfte der Bundespolitik, mussten hingegen erhebliche Verluste hinnehmen.

Es wäre jedoch irreführend, die beiden Gewinnerparteien politisch gleichzusetzen. Ihre Programme, Traditionen und Vorstellungen von Staat und Gesellschaft unterscheiden sich grundlegend. Ihre jeweiligen Zugewinne lassen sich dennoch als unterschiedliche Erscheinungsformen eines umfassenderen Wandels untersuchen: Die traditionelle Bindung vieler Wähler an die etablierten Parteien nimmt ab.

In einem föderalen Staat fallen die Ursachen je nach Region unterschiedlich aus. In Berlin stehen Wohnungsnot und soziale Fragen im Vordergrund. Anderswo können industrielle Veränderungen, Migration oder die fortbestehenden Unterschiede zwischen Ost und West größere Bedeutung besitzen.

Deutschland ist kein einheitlicher politischer Wahlraum. Gerade der Föderalismus macht diese Unterschiede sichtbar.

Berlin als Prüfstein politischer Verantwortung

Der Wahlsieg der Linken stellt eine Zäsur in der Berliner Politik dar. Er zeigt, dass eine Partei, die lange mit der Geschichte der ehemaligen DDR verbunden wurde, inzwischen eine breitere Wählerschaft in einer wiedervereinigten europäischen Metropole erreichen kann.

Doch der Erfolg an der Wahlurne ist erst der Anfang. Die Linke muss zeigen, dass sie die Wohnungsnot bekämpfen, die finanziellen Grenzen eines Bundeslandes respektieren und an einer Regierung mitwirken kann, die die Sicherheit aller Einwohner gewährleistet. Sie muss zugleich beweisen, dass ihre Zusagen im Kampf gegen Antisemitismus mehr sind als vorübergehende Zugeständnisse zur Erleichterung von Koalitionsverhandlungen.

SPD und Grüne wiederum müssen erklären, wie sie ihre eigenen politischen Ziele mit denen der stärksten Partei vereinbaren wollen.

Berlin bleibt damit seiner Besonderheit treu: einer Hauptstadt, in der sich politische Veränderungen stets vor dem Hintergrund einer außergewöhnlichen Geschichte vollziehen. Die Vereinbarung vom 8. Oktober hat einen Weg eröffnet. Ob er zu einer tragfähigen Regierung führt, bleibt offen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur, warum Die Linke die Wahl gewonnen hat.

Entscheidend ist nun, ob der Kampf gegen Antisemitismus, zunächst ein Stolperstein der Verhandlungen, zu einem Grundstein einer gemeinsamen Regierungsmehrheit werden kann.

Von: Francis Moritz

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Israelischer Schüler bei Explosion von Hisbollah-Geschoss getötet

​Tragisches Ende einer Wanderung in Nordisrael: Schüler entdecken ein Hisbollah-Geschoss. Es explodiert, und ein 13-Jähriger erleidet tödliche Verletzungen.
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KIRIAT SCHMONA (inn) – Bei einem Schulausflug in Nordisrael ist am Montag ein 13-jähriger Israeli durch eine Explosion zu Tode gekommen. Diese wurde durch ein Geschoss der Terrorgruppe Hisbollah aus dem Libanon ausgelöst. Den Blindgänger fanden die Schüler nahe der israelisch-libanesischen Grenze, südlich von Kiriat Schmona. Offenbar handelte sich um einen Sprengkörper von einer Grad-Rakete, der nach dem Abschuss nicht explodiert war.

Am Dienstag wurde der Name des Toten bekannt: Es handelt sich um Elasar Jair Wilensky. Er hinterlässt seine Eltern sowie vier ältere Geschwister. Elasar war passionierter Fechter; er galt als einer der Besten seiner Altersgruppe in Israel, schreibt die Nachrichtenseite „Times of Israel“.

Geschoss herumgereicht

Der Vater eines der Schüler, Elijahu Galil, erzählte dem Sender „Kanal 13“, sein Sohn habe nach eigener Aussage „Dinge gesehen, die man nicht sehen sollte“. Demnach habe ein Teil der Schüler das Geschoss festgehalten und herumgereicht. „Einige machten Bilder davon.“

Andere Schüler hätten gesagt, der Tote sei der Finder. Er habe den Blindgänger zum Fotografieren hinübergebracht. Einem Bericht des Senders „Kan“ zufolge ergab eine erste Untersuchung, dass der Schüler das Geschoss in die Tasche gesteckt hatte, wo es explodierte.

Bei der Explosion wurden zudem 24 Schüler verwundet, fünf von ihnen sehr schwer. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser in den Städten Haifa, Safed (Zefat) und Naharia eingeliefert. Israelische Medien berichten, die Schüler hätten sich direkt nach der Explosion gegenseitig Erste Hilfe geleistet. Sie hätten Wunden mit Gürteln und Strümpfen abgebunden und in einem Fall eine Herz-Lungen-Reanimation vorgenommen.

Explosion nach dem Nachmittagsgebet

Die Schüler kamen aus mehreren Klassen der ORT-Ma’alot-Schule und gehörten verschiedenen Altersstufen an. Im Rahmen eines besonderen Projektes wollten sie drei Tage auf dem Israel-Pfad wandern.

Elijahu Galil sagte: „Sie waren beim Mincha-Gebet. Das persönliche Gebet endete, und plötzlich war eine sehr starke Explosion zu hören.“ Sein Sohn habe hinter einem Baum gebetet, deshalb sei er nicht verletzt worden. Mincha ist das mittlere der drei jüdischen Tageszeitengebete und wird am Nachmittag gesprochen.

Nach Galils Einschätzung wussten die Jugendlichen nicht, dass es sich um ein Stück von einer Waffe handelte: „Kein Mensch, der begreift, dass er Sprengstoff in den Händen hält, würde ihn in der Hand behalten. Wer den Gegenstand fand, dachte, dass er ein besonderes Souvenir habe. Wir alle waren Kinder, wir alle erinnern uns, was drei Jahre Krieg bedeuten. Und dann gehst du durch den Wald und findest etwas, also sagst du: ‚wow‘, ich werde eine physische Erinnerung an meine Erlebnisse haben.“

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Das Gesundheitsministerium eröffnete im Siv-Krankenhaus in Zefat ein Behandlungszentrum für Betroffene, die unter Stresssymptomen leiden. Dort arbeiten Teams, die sich auf die seelische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert haben.

Nationalfonds: Strecke ist gesperrt

Untersucht wird nun, wie es zu der Entscheidung kam, die Wanderung in dem Gebiet zu genehmigen. Der Jüdische Nationalfonds (KKL-JNF) hat nach eigenen Angaben vor „Kriegsschäden“ gewarnt. Der Vorsitzende Ejal Ostrinsky sagte dem Armeesender, der betreffende Pfad sei gesperrt. Er verstehe nicht, warum das Bildungsministerium die Strecke für die Wanderung freigegeben habe.

Bis Ende Juni hätten seine Mitarbeiter dort überhaupt nicht arbeiten können, sagte er. „Erst am 26. Juni gingen wir hinein, um jenen Wald zu rehabilitieren.“ Nur der Pfad selbst sei schon wiederhergestellt, aber nicht das umliegende Gebiet. Die Information habe der Nationalfonds an alle Partner weitergegeben, sie sei nach allem, was er wisse, im Einsatzraum des Ministeriums angekommen: „Sie haben auch den KKL-JNF gefragt, ob die Stätte wieder offen sei. Die Antwort war ‚nein‘.“

Ministerium: Bewilligter Pfad kreuzt Sperrgebiet nicht

Am Dienstag veröffentlichte das Bildungsministerium eine Stellungnahme. Darin betont es, die für den Ausflug bewilligte Strecke kreuze das verbotene Gebiet nicht. Die Gruppe habe vielleicht den vorgesehenen Pfad verlassen. Das Ministerium habe im Einklang mit den Beschränkungen des Nationalfonds’ Aktivitäten im Gebiet wegen der kriegsbezogenen Schäden verboten.

Zudem habe das Ministerium ausdrückliche Sicherheitsrichtlinien ausgegeben, heißt es weiter. Dazu gehöre ein strenges Verbot, Raketentrümmer oder nicht explodierte Geschosse zu berühren. Eine weitere Anweisung laute: Solche Funde seien sofort zu melden.

Das Bildungsministerium hat das Militär nun angewiesen, alle Pfade an der libanesischen Grenze nach möglichen weiteren Geschossen abzusuchen. Die Strecke, auf der die Schüler unterwegs waren, wird derweil von Armee, Polizei und Ministerium untersucht. Alle für Dienstag und Mittwoch geplanten Schulausflüge im Norden wurden abgesagt, die Sicherheitsanweisungen verschärft – „mit einer Betonung auf der Gefahr durch nicht explodierte Geschosse überall in Israel“.

Der Vater des unversehrten Schülers, Galil, indes fasste die Tragödie so zusammen: „Der Ausflug wurde zu einem schmerzlichen Vorfall mit tödlichem Ausgang.“ (eh)

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