​In Ankara verurteilt PA-Präsident Abbas „Israels genozidale Aggression“. Das türkische Staatsoberhaupt Erdogan betont, ein palästinensischer Staat müsse souverän sein und aus einem zusammenhängenden Gebiet bestehen.
Der Beitrag Abbas und Erdogan: Gegen „Israels genozidale Aggression“ erschien zuerst auf Israelnetz. 

ANKARA (inn) – Die Türkei setzt sich weiter für die Gründung eines palästinensischen Staates ein. Das betonte Präsident Recep Tayyip Erdogan (AKK) am Mittwoch in Ankara. Mit dem Vorsitzenden der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas, hielt er eine Pressekonferenz in der türkischen Hauptstadt ab.

Der Fatah-Chef bekräftigte die Auffassung, der einzige Weg zu gerechtem Frieden sei ein Ende der israelischen Besatzung und die Errichtung des unabhängigen Staates Palästina mit Ostjerusalem als Hauptstadt. Jegliche Integration Israels in die Region müsse daran gebunden sein, dieses Ziel zu erreichen. Die Palästinenser und ihre Führung würden „Vertreibung, die Übernahme von palästinensischem Land und israelische Kolonien“ nicht dulden, ergänzte Abbas laut der Nachrichtenagentur WAFA.

Ende von „Israels genozidaler Aggression“ gefordert

Der Türkei, Ägypten, Katar und den USA dankte er für die Bemühungen um eine Feuerpause im Gazastreifen und eine Erleichterung der Einfuhr von Hilfsgütern. Er warb um Unterstützung für internationale Bemühungen zur Umsetzung der Resolution 2803 des Weltsicherheitsrates vom November 2025. Darin stellte sich das Gremium hinter den amerikanischen 20-Punkte-Plan für den Gazastreifen.

Die Umsetzung müsse in einer Weise geschehen, die ein Ende von „Israels genozidaler Aggression“, eine Rückkehr der PA nach Gaza und einen Übergang zum politischen Prozess gewährleiste. In der Resolution kommt die Autonomiebehörde viermal vor. Jedesmal wird erwähnt, dass sie ihr Reformprogramm abschließen muss.

Ferner unterstrich Abbas die Bedeutung des Mekka-Verteidigungspaktes, den Pakistan, Saudi-Arabien und die Türkei Anfang August unterzeichnet hatten. Das Abkommen werde hoffentlich zur Förderung regionaler Sicherheit und Stabilität beitragen und die Interessen der muslimischen Gemeinschaft schützen.

Der 90-Jährige wiederholte seine Verpflichtung gegenüber dem nationalen Reformprogramm und den für den 28. November geplanten Parlamentswahlen. Eine Präsidentschaftswahl sei für das Jahr 2027 vorgesehen.

Erdogan: „Israelische Regierung untergräbt palästinensischen Staat“

Erdogan erklärte: „In Absprache mit unseren palästinensischen Brüdern und Schwestern fördern wir als Türkei die palästinensische Sache auf Grundlage der Zwei-Staaten-Lösung. Die genozidale Regierung Netanjahu setzt ihre ungesetzlichen Aktionen im Westjordanland und in Al-Quds (Jerusalem) vor den Augen der gesamten Welt fort. Die Politik von Besatzung, Vertreibung und gesetzwidriger Machtergreifung geht weiter und nimmt zu.“ Die Türkei werde die palästinensische Sache weiter auf jeder Plattform verteidigen.

Zur Politik der israelischen Regierung unter Premier Benjamin Netanjahu (Likud) ergänzte Erdogan: „Die Existenz eines unabhängigen palästinensischen Staates wird untergraben. Es ist unmöglich, das zu ignorieren oder dem gegenüber gleichgültig zu bleiben. Trotz aller Versuche von Unterwerfung und Ausweisung bleibt das palästinensische Volk stark und standhaft.“

Die Regierung Netanjahu habe das Ziel, „Kapital aus dem Chaos und neuen Konflikten in der Region zu schlagen – mit dem Bestreben, Palästina von der gemeinsamen Agenda der Menschheit zu entfernen“. Doch Israel werde dabei keinen Erfolg haben. „Je härter sie arbeiten, um zu zerstören, umso stärker wird die palästinensische Sache in den Herzen wachsen.“

Die Entscheidung, „nach einer langen Zeit Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Palästina abzuhalten“, wertete Erdogan positiv: „Ich hoffe, dass die Wahlen dazu beitragen werden, den Friedensprozess unter unseren palästinensischen Brüdern und Schwestern voranzubringen und die Einheit und Solidarität des palästinensischen Volkes zu stärken“, wird er in einer Mitteilung des türkischen Präsidialamtes zitiert.

„Zusammenhängender Staat Palästina in Grenzen von 1967“

Der türkische Staatspräsident versicherte: „Wir werden uns entschieden um die Gründung eines unabhängigen, souveränen und geographisch zusammenhängenden palästinensischen Staates auf Grundlage der Grenzen von 1967 einsetzen, mit Ostjerusalem als Hauptstadt.“

Die „Grenzen von 1967“ meinen die Waffenstillstandslinien von 1949. Demnach würde der palästinensische Staat in den Gebieten gegründet, die Ägypten und Jordanien während des israelischen Unabhängigkeitskrieges besetzten und Israel im Sechs-Tage-Krieg von ihnen eroberte: im Gazastreifen, dem Westjordanland und Ostjerusalem. Zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland befindet israelisches Staatsgebiet.

Israel strebe nicht nach Frieden, sagte Erdogan. Das Volk in Gaza habe hingegen „deutlich gezeigt, dass es für Frieden ist und einen starken Willen hat, diesen zu erlangen“. Die notwendigen Bedingungen, um den Wiederaufbau von Gaza zu starten und seine Sicherheit zu gewährleisten, müssten ohne Verzögerung geschaffen werden. (eh)

Einen Hintergrund über das Machtstreben der Türkei in der Region und die Gefahr, die Israelis darin sehen, lesen Sie in der Ausgabe 4/26 des Israelnetz Magazins, die Ende August erscheint. Sie können die Zeitschrift kostenlos bestellen unter 06441/5667700, per E-Mail an info@israelnetz.com oder online.

Der Beitrag Abbas und Erdogan: Gegen „Israels genozidale Aggression“ erschien zuerst auf Israelnetz.