Israelis, Deutsche, Schweizer und Palästinenser. Sie alle waren Teil des sechsten Israelkongresses in Schwäbisch Gmünd. Mit dabei: viele berührende Geschichten, fachliche Expertise und auch die Frage danach, wem das Land Israel gehört.
Der Beitrag Zwischen Lobpreis, Leid und Identitätsfragen erschien zuerst auf Israelnetz.
Israelische Rhythmen pulsieren durch die Lautsprecher, während die Sänger der JCSI‑Band „Sela“ nahtlos zwischen deutschen und hebräischen Lobpreisstrophen hin und her wechseln. Die meisten der mehr als 600 Teilnehmer haben bereits ihre Stühle verlassen und bewegen ihren Körper leicht zu der Musik. Manche der durchschnittlich etwa sechzig Jahre alten Besucher tanzen sogar ausgelassen. In der oberen Etage schwenkt eine Teilnehmerin eine große Israelflagge.
Zum sechsten Mal trafen sich Israelfreunde zum Israelkongress in der baden-württembergischen Kleinstadt Schwäbisch Gmünd. In dem christlichen Gästezentrum „Schönblick“ kamen dafür für dreieinhalb Tage Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Hintergründen zusammen, und feierten Israel und das Judentum. Darunter waren Israelis, Schweizer, Österreicher, Deutsche und Palästinenser. Das Motto „Israel geht uns alle an“ spiegelte sich in Vorträgen, Seminaren und persönlichen Gesprächen wider und weckte Emotionen.
„Wie dumm können Menschen sein?“
Unter anderem erzählten in den Vorträgen auch Betroffene des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 von ihren Erfahrungen. Unter anderem Sonja Bohl-Dencker. Sie ist die Mutter von Carolin Bohl – der einzigen deutschen Touristin, die durch das Massaker ermordet wurde.
In ihrer Rede schilderte sie ihren leidvollen Weg hin zu Israel. Zunächst hatte sie keinen Bezug zu dem Land. Als ihre Tochter dann bei dem Terrorangriff ums Leben kam, begann sie, sich nach und nach damit auseinanderzusetzen. Schritt für Schritt fühlte sie sich dem Land mehr verbunden. Heute könne sie es kaum aushalten, wie Medien ungefiltert Hamas-Propaganda verbreiten und meist nur einseitig gegen Israel berichten würden, kritisierte Bohl-Dencker von der Bühne.
Foto: Israelnetz/Christian BiefelAußerdem äußerte sie sich zum wachsenden Antisemitismus in Deutschland deutlich: „Wie hasserfüllt, unreflektiert und dumm können Menschen sein?“ Für Bohl-Dencker seien die diesjährigen Demonstrationen zum Gedenktag des Hamas-Massakers erschütternd gewesen. Denn es gab auch Versammlungen, die sich mit der Hamas solidarisierten und dadurch das Leid der Israelis relativierten.
Die Mutter von Carolin Bohl unterstrich ihre Rede mit dem Satz: „Obwohl Hamas-Terroristen meine Tochter ermordet haben, bin ich nicht so voller Hass, wie die Menschen, die zurzeit gegen Israel demonstrieren.“ Dass manche Menschen aggressiv würden, nur weil sie eine israelische Flagge sähen, sei krank.
Völkerechtliche Existenzgrundlage für Israel
Neben Betroffenen kamen zudem Fachexperten wie die Völkerrechtlerin, Autorin und ehemalige UN-Diplomatin Cynthia Day Wallace zu Wort. „Halleluja, Halleluja, Halleluja“, ruft Wallace in den Saal und blickt erwartungsvoll in das Publikum, in der Hoffnung, dass jemand den Jubelruf erwidern würde. Sie hofft nicht vergeblich. Zahlreiche der Teilnehmer erwidern den Jubelruf. Es war Wallace Einstieg in ihre Rede über das Existenzrecht Israels. Das Besondere: Die 84-jährige Juristin begründete in ihrem Vortrag das Existenzrecht sowohl religiös als auch rechtlich. So stützt sich die Souveränität Israels laut ihr auf drei völkerrechtliche Instrumente. Sie meint damit historische Dokumente, die nicht nur die Duldung, sondern die Souveränität Israels begründen.
Zum einen sei das der Vertrag des Völkerbundes aus dem Jahre 1919. Im Artikel 22 ist darin das Osmanische Reich, unter dessen Herrschaft heutige israelische Gebiete fielen, als A-Mandat eingestuft. Das bedeutete, dass diese Gebiete so weit entwickelt waren, dass sie als „provisorisch unabhängige Nationen“ agieren durften und einer entsprechenden Siegermacht nur observativ unterstellt waren. Die Juristin erläutert: Jüdische Gebiete seien damals Teil des britischen Mandatsgebietes Palästina gewesen, wobei es den Staat Israel als solchen noch nicht gegeben habe.
San Remo und die Balfour-Erklärung
Ein weiterer Schritt, den Wallace nennt, war die San-Remo-Resolution aus dem Jahr 1920. Darin sei als Ziel formuliert, eine „nationale Heimstätte für das jüdische Volk“ in dem britischen Mandatsgebiet Palästina zu schaffen. Die beteiligten Besatzer übernahmen damit die Gedanken der Balfour-Erklärung. Bereits 1917 hatte dort der britische Außenminister Arthur James Balfour die Gründung einer nationalen Heimstätte für Juden in dem gleichnamigen Positionspapier formuliert. In San Remo werteten die beteiligten Siegermächte das Zentrum der Erklärung schließlich zu gültigem Völkerrecht auf, erklärte Wallace.
Der finale Schritt, der die Entstehung des Staates Israel völkerrechtlich legitimiert, war allerdings laut der früheren Diplomatin das Mandat des Völkerbundes für Palästina aus dem Jahr 1922. Ein ausgearbeitetes völkerrechtsgültiges Dokument, das den kompletten Text der Balfour-Erklärung in die Präambel mit aufnahm und konkrete Maßnahmen zu deren Umsetzung festschrieb. Den ausgearbeiteten Gesetzestext befürworteten alle Länder der Staatengemeinschaft.
Foto: Israelnetz/Christian BiefelDie gläubige Christin ist am Ende ihrer Rede angekommen. Alles an ihr unterstreicht die Dringlichkeit ihres Anliegens. Ihr akkurat sitzendes Kostüm, ihr eleganter Gehstock mit Jaguargriff und nicht zuletzt ihr freundlicher, doch unbeirrt wirkender Blick.
Noch einmal blickt sie in die Menge. Entschlossen unterstreicht sie die juristischen Grundlagen mit ihrem christlichen Glauben: „Israel ist legitim. Die Feinde – damit meint sie alle, die das Existenzrecht Israels infrage stellen – wollen Israel von der Landkarte löschen, doch sie verstehen nicht, dass Israel für immer sein wird. Gott hat immer einen Plan gehabt. Maranatha!“
Foto: Israelnetz/Christian BiefelAuf der Bühne erklingen erneut die Rhythmen. Diesmal etwas leiser, da sich einige Teilnehmer im fortgeschrittenen Alter beschwert hatten, dass es zu laut sei. Doch die Stimmung ist davon nicht im Geringsten betroffen. Erneut weht die Israel-Fahne und erneut schwingen manche ihre Hüften. Dreieinhalb Tage Israelkonferenz.
Dreieinhalb Tage voller Vorträge, Diskussionen, Musik und Gespräche. Und eine Botschaft, die hängen bleibt: Von welchem Standpunkt aus auch immer: „Israel geht uns alle an“ – auch in Deutschland.
» Bibellesen als Mittel gegen Verführung
Der Beitrag Zwischen Lobpreis, Leid und Identitätsfragen erschien zuerst auf Israelnetz.